Weber-Jubiläum 2026
Veranstaltungen
Hier gelangen Sie zu einem Veranstaltungskalender, den wir kontinuierlich weiter pflegen werden. Natürlich sind alle Angaben ohne Gewähr!
Weber auf Social Media
Trauer um Dr. Ute Schwab (1938-2026)
„O mein ewig teures unvergessliches Leben,
habe Dank für so manche schöne Rose,
die Du in mein Leben geflochten.“
Mit diesem Zitat aus einem Brief Carl Maria von Webers an seine Frau Caroline hat Tilman Schwab die Traueranzeige für seine Mutter versehen und damit einen wichtigen Akzent gesetzt. Am 12. März 2026 war Dr. Ute Schwab im Alter von 87 Jahren gestorben, nachdem sie nur kurze Zeit in einem Pflegeheim verbracht hatte. Erst im Januar letzten Jahres war ihr Ehemann, Prof. Heinrich W. Schwab, gestorben, ein Verlust, den sie nur schwer verarbeiten konnte. Die Worte Webers auf der Traueranzeige sind keineswegs eine Floskel. Sie haben gleich in zweierlei Hinsicht Bedeutung. Zum einen drücken sie den persönlichen Dank aus, zum anderen spielte der Autor der Zeilen, der in Eutin geborene Komponist, eine zentrale Rolle in ihrem Leben, so dass diese Bezugnahme als eine Art Resümee am Ende ihres Lebens mehr als berechtigt erscheint.
Ich erinnere mich noch recht genau an einen Abend im historischen Eutiner Voss-Hotel, der für die Beziehung von Ute Schwab zu Carl Maria von Weber entscheidend werden sollte. Es war im November des Jahres 1986, auf Initiative des Kieler Musikwissenschaftlichen Institutes fand am Geburtsort Webers anlässlich seines 200. Geburtstages ein Symposion statt, das es sich zur Aufgabe gemacht hatte, „Weber – Jenseits des Freischütz“ zu betrachten. Ein entscheidender Impuls ging dabei von der Stadt Eutin aus, die sich zu dem Jubiläum eine „wissenschaftliche Besinnung“ wünschte. Unter der Initiative von Prof. Heinrich W. Schwab und Prof. Friedhelm Krummacher kam dann ein mehrtägiges Symposion zustande, dessen Beiträge in den Kieler Schriften zur Musikwissenschaft Bd. XXXII dokumentiert wurden.
Am geselligen Abend wurde wie üblich bei einem Glas Wein geplaudert, ein Gesprächsthema war dabei die Möglichkeit, eine Carl Maria von Weber Gesellschaft zu gründen. Ute Schwab zeigte sich von der Idee sofort begeistert, und mit dem ihr eigenen Engagement sah sie darin auch eine persönliche Herausforderung. Bis zur offiziellen Gründung der Gesellschaft im April 1991 in Berlin verging zwar noch einige Zeit, aber der Plan war schon mal gefasst. Und eigentlich zeichnete es sich schon an diesem Abend im Voss-Hotel ab, dass Ute Schwab sich mit ihrem begeisterten Schwung für das Projekt einsetzen würde. Tatsächlich wurde sie bei der Gründung der Internationalen Carl-Maria-von-Weber-Gesellschaft zur Vorsitzenden gewählt, eine Aufgabe, die sie bis zu ihrem 60. Geburtstag im Jahr 1999 behielt. Zu der ersten Mitgliederversammlung lud sie für den 20. November 1991 nach Eutin ein.
Bereits im Kontext des Symposions wurde ausgesprochen, wie wichtig die Perspektive auf eine kritische Gesamtausgabe der Werke Webers oder zumindest der Plan einer neuen Ausgabe seiner Briefe für die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Werken Webers seien. Das Symposion könnte dafür den Erweis bringen, „dass der qualitative Rang und das historische Gewicht von Webers Werk solche Bemühungen begründen könnten.“ (S. VII) Dass Ute Schwab sich das Engagement für Weber zu einer persönlichen Aufgabe machte, hat verschiedene Ursachen, berufliche wie persönliche.
Am 2. August 1938 war sie als Ute Meissner in Reppen, in der Nähe von Frankfurt a. O., geboren, hatte zwischen 1957 und 1964 an der Freien Universität Berlin Musik- und Bibliothekswissenschaft studiert, ab 1962 zusätzlich noch Rechtswissenschaft und Slavistik belegt. Das Studium schloss sie mit einer Dissertation ab zum Thema über Der Antwerpener Notendrucker Tylman Susato. Eine bibliographische Studie zur niederländischen Chansonpublikation in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts (Berlin: Merseburger, 1967). Nach ihrer Promotion heiratete sie den Musikwissenschaftler Heinrich W. Schwab und wurde Mitarbeiterin am Deutschen Musikgeschichtlichen Archiv in Kassel. 1966 zog die Familie Schwab nach Kiel, er arbeitete dort im Landesinstitut für Musikforschung, sie wurde von 1967 bis 1969 Wissenschaftliche Assistentin am Musikwissenschaftlichen Institut der Christian-Albrechts-Universität. Im Anschluss daran absolvierte sie eine Zusatzausbildung zur wissenschaftlichen Bibliothekarin und beschloss diese mit einer Arbeit über Die Musikalien der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek in Kiel. Eine Betrachtung zu den in den letzten Jahren in die Bibliothek gelangten Nachlässen und Sammlungen und deren Integration in eine Spezialbibliothek.
Damit hatte sie den Grundstein gelegt für ihre neue Aufgabe: Ab 1978 widmete sich Ute Schwab der Musiksammlung der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek in Kiel, erschloss die Musik-Bestände, organisierte Ausstellungen und Konzerte, und machte sich zum unermüdlichen Fürsprecher der Musik Schleswig-Holsteins. Auch nach ihrer Pensionierung im Jahr 2003 ermüdete ihr Engagement nicht. Jetzt konzentrierte sie sich auf zwei Musikpersönlichkeiten: Zum einen war das der aus Altona stammende Carl Reinecke, zum anderen Carl Maria von Weber.
Im Fall Carl Reineckes bemühte sie sich um seine Werke in der Musiksammlung der Landesbibliothek Kiel und die Entwicklung eines Werkverzeichnisses: Thomas Schipperges, Stefan Schönknecht, Ute Schwab (Hg.), Carl Reinecke (1824-1910) und das Leipziger Musikleben seiner Zeit. Olms Verlag 2020). Noch in ihren letzten Lebensjahren trat sie als selbstbewusste Anwältin Carl Reineckes auf, und warb bei jeder passenden Gelegenheit, die sich ihr bot, für eine gebührende Beachtung des Nachlasses.
Als Musikbibliothekarin der Landesbibliothek in Kiel fühlte sie sich verantwortlich für die ihr anvertrauten Musikalien und überhaupt für die musikgeschichtlichen Traditionen des Landes. Wahrscheinlich wurde dieser Impuls noch verstärkt durch den Aufgabenbereich ihres Mannes, der im Kieler Landesinstitut für Musikforschung gearbeitet hatte, bevor er dem Ruf auf eine Professur nach Kopenhagen folgte.
Dieses sehr spezifische Verantwortungsbewusstsein zeichnete Ute Schwab aus, und es fand ein neues Ziel, als bei den Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag Carl Maria von Webers offengelegt wurde, wie defizitär der Forschungsstand war und wie stiefmütterlich einige Schätze behandelt wurden. Einer davon war die handschriftliche Partitur der Kantate Kampf und Sieg, die der Enkel des Komponisten, Karl von Weber, der Stadt Eutin im Jahre 1890 überreicht hatte, um seinen Dank für die Errichtung eines Denkmals im Eutiner Weber-Hain zum Ausdruck zu bringen. Das Autograph kam damals in die Eutiner Landesbibliothek, wo es bis heute verwahrt wird. Ute Schwab fand es schwer erträglich, dass dieses wertvolle Dokument einfach im Archiv verschwinden könnte. Mit kaum endendem Elan wollte sie dieses Werk veröffentlichen, später eine kritische Edition für die Gesamtausgabe erarbeiten, und äußerte immer wieder, dass dies nicht nur eine Aufgabe, sondern überdies eine Pflicht für „die Eutiner“ sei, zu denen sie sich mittlerweile auch rechnete.
Wer die zahlreichen Jahrgänge der Weberiana durchblättert, wird erstaunt sein, wie oft Ute Schwab in ihren „Berichten aus Eutin“ von Plänen berichtete, die Kantate nun doch endlich in Eutin zur Aufführung zu bringen, selbst von der Einspielung einer CD war die Rede. Die in ihrer musikalischen Gestaltung sehr interessante Kantate, die Weber zur Feier der Siege bei Belle-Alliance und Waterloo im Juni 1815 komponiert hat, ist infolge des kriegerischen Vokabulars heute wohl tatsächlich nicht mehr kommentarlos aufzuführen („Es naht der Feind mit wilder Wuth, wähnt uns noch nicht gerüstet. Ha! Wie es ihm nach unserm Bluth, nach unsrer Freyheit lüstet“). Solche Argumente, der patriotische Gesang könnte heute, losgelöst von seinem historischen Kontext, zumindest missverstanden, wenn nicht sogar missbraucht werden, ließ sie jedoch nicht gelten: Umso wichtiger sei die Aufarbeitung der Kantate und eine Aufführung, bei der eine kritische Kommentierung mit dem Hinweis auf die wegweisende Bedeutung der Musik einherginge. Aber alle Versuche, die Kantate aufzuführen, deren Aufarbeitung Ute Schwab als ihre persönliche Herausforderung betrachtete, führten nicht zum Erfolg. Noch wenige Monate vor ihrem Tod versuchte sie, Chöre in Kiel und Lübeck für das Projekt zu begeistern, die Vorbehalte konnte sie indes nicht beseitigen.
Ihr persönliches Projekt der Kantate Kampf und Sieg ist durchaus paradigmatisch. Wenn ihr etwas ans Herz gewachsen war, konnte sie sich unermüdlich und mit Verve der Sache annehmen. Die Internationale Carl-Maria-von-Weber-Gesellschaft gehörte auf jeden Fall dazu, in den ersten zehn Jahren hat sie die Entwicklung der Gesellschaft maßgeblich geprägt. Auf der Mitgliederversammlung im Mai 2014 wurde ihr deshalb die Ehrenmitgliedschaft der Gesellschaft verliehen, mit Urkunde und einer kleinen Büste Carl Maria von Webers. Gut zehn Jahre noch trat sie in Eutin immer wieder als Anwältin auf, um an das Erbe Carl Maria von Webers zu erinnern und die daraus erwachsende Verpflichtung der Stadt zu reklamieren. In Eutin und darüber hinaus wird der Name Ute Schwab ohne Zweifel mit Carl Maria von Weber und seiner Musik verbunden bleiben.
Matthias Viertel
Kein Freischütz für Dresden
Ausstellung in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden
Am 3. Februar 2026 wurde die Ausstellung „Kein Freischütz für Dresden“ im Buchmuseum der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden eröffnet. Sie zeigt Carl Maria von Weber als Pionier einer „deutschen Oper“ in Dresden, institutionell und kompositorisch. Zwischen romantischem Aufbruch und der Dominanz der italienischen Hofoper suchte er als Kapellmeister des neu gegründeten „Deutschen Departements“ an der Dresdner Hofoper ebenso wie als Komponist neue künstlerische Wege – voller Visionen, aber auch gegen Widerstände. Ausgehend von Webers eigenen Werken, der von ihm aufgeführten Opern anderer Komponisten, Briefen und weiteren Quellen stellt sich die zentrale Frage: Was macht eine Oper eigentlich „deutsch“ – Sprache, Stoff, Klang oder Publikum? Und warum fanden ausgerechnet Webers eigene Opern wie der Freischütz nicht in Dresden ihre erste Bühne? (Ausstellungsflyer)






Alle Bilder der Ausstellung (c) SLUB Dresden, Ramona Ahlers-Bergner
Die Ausstellung wird bis Freitag, dem 5. Juni 2026 zu sehen sein. – Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 12:00 bis 18:00 Uhr, Buchmuseum der SLUB Dresden, Zellerscher Weg 18, 01069 Dresden. Eintritt frei.
Weitere Informationen und Online-Katalog: www.slubdd.de/weber
Kontakt: buchmuseum@slub-dresden.de
Trauer um Prof. Dr. Gerhard Allroggen (1936-2025)
Am 13. November 2025 verstarb der Herausgeber der Gesamtausgabe der Werke Carl Maria von Webers, Prof. Dr. Gerhard Allroggen im Alter von 89 Jahren. Lesen Sie hier den Nachruf von Prof. Dr. Joachim Veit, Editionsleiter der Weber-Gesamtausgabe.
Wer wir sind
Wir sind eine gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung der künstlerischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Komponisten Carl Maria von Weber (1786-1826). Auf diesen Seiten finden Sie Informationen zu unserer aktuellen Arbeit, zu Veranstaltungen und Aktivitäten mit Bezug zu Leben und Werk Webers. Gerne greifen wir Ihre Hinweise zu Veranstaltungen zu Carl Maria von Weber oder zu anderen Mitgliedern der Familie auf. Hierzu können Sie sich gern über das Kontaktformular mit uns in Verbindung setzen.
Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen: Musikfreunde und Musiker, Wissenschaftler und Kulturmanager, Laien und “Profis” mit Interesse für den Komponisten des Freischütz und vieler anderer sehr interessanter und viel zu wenig bekannter Werke.
Unser Ziel ist es, das aktuelle Kulturleben durch das Werk Carl Maria von Webers zu bereichern, nicht nur durch Förderung von Konzerten, sondern auch durch Lesungen, Vorträge und Ausstellungen. Wenn Sie eine kulturelle Veranstaltung dieser Art planen, setzen Sie sich mit uns in Verbindung.
Zur Unterstützung unserer Arbeit benötigen wir Ihre besondere finanzielle Förderung in Form von Spenden oder der Fördermitgliedschaft.
