Monat: Dezember 2017

Ein fester Händedruck war sein Markenzeichen

Wir trauern um Werner Krahl (28.6.1933–1.11.2017).

Am 1. Januar 2018 wäre Werner Krahl 20 Jahre Mitglied unserer Gesellschaft gewesen, 1998 hielt er Ausschau nach einem neuen ehrenamtlichen Betätigungsfeld, das seinen Interessen entgegenkam, ihn forderte und bereicherte. Sein Wohnort Neugersdorf, die Nähe zu Dresden, zum Weber-Museum Hosterwitz und zum „Carl Maria von Weber“-Freundeskreis Dresden-Hosterwitz e. V. (Vorsitz Prof. Günter Schwarze), dem er ebenfalls aktiv angehörte, mögen mit den Ausschlag gegeben haben, sich auch der später gegründeten Internationalen Weber-Gesellschaft, von der er sich ein breiteres Spektrum erhoffte, anzuschließen. Das genügte ihm jedoch nicht, „nebenbei“ half er, der von Beruf Deutschlehrer für Ausländer war, deutsch-russischen Rückkehrern, deren Sprachkenntnisse wieder zu aktivieren und aufzubessern.

Wenn von Werner Krahl die Rede war, dann fielen einem sogleich Heinrich (1784–1847) und Carl Baermann (1811–1885), die berühmten Klarinettisten des 19. Jahrhunderts, und die Sängerin Helena Harlas (für acht Jahre die Lebensgefährtin des Älteren) ein, denn ihnen hatte sich Krahl in seinem Ruhestand vordringlich verschrieben. Mit finanziellen Opfern, die er niemals beklagte und großer Begeisterung hatte er mehrmals Reisen nach München unternommen und dort zeitaufwändige Recherchen in Archiven zum Leben der genannten Künstler durchgeführt. Sie waren so weit fortgeschritten, dass sie die Basis bildeten für einen biographischen Abriss von Leben und Wirken von Helena Harlas im Band 8 der Weber-Studien (Mainz 2007, S. 343–379) unter seiner Mitautorschaft. Er ruhte nicht, bis er in der Schweiz bei Nachfahren der Baermann-Familie das dort vermutete Ölgemälde Carl Baermanns von Karl Adolf Gugel (1820–1885) gefunden und uns ein Foto davon mitbringen konnte, das Gemälde, das den Künstler in mittleren Jahren darstellt, (das beweist u. a. sein Ehering, verheiratet seit 1834), befindet sich z. Zt. in Privatbesitz von Peter Baermann in Lausanne. Seine Beharrlichkeit in Sachen Baermann eröffnete ihm auch die Möglichkeit, Einsicht in den Mikrofilm des Reise-Tagebuchs 1843 von Carl Baermann (Musikwiss. Institut der Universität Marburg), das u. a. eine Begegnung mit Felix Mendelssohn Bartholdy schildert, zu nehmen und eine Roh-Übertragung davon anzufertigen, die der wissenschaftlichen Auswertung harrt.

Was Krahl anfing, das führte er mit Akribie und Zuverlässigkeit zu Ende, immer die Sache und den Nutzen für die Forschung im Blick behaltend. So hatte er sich auch mit Leben und Wirken von Christian Gottlieb Müller (1800–1863) beschäftigt und gab zu dessen 210. Geburtstag am 6. Februar 2010 im Eigenverlag ein mit Kommentaren, Abbildungen und Auswahl-Werkverzeichnis versehenes Buch (Neugersdorf 2009) heraus.

Er war ein sehr angenehmer Gesprächspartner, bescheiden, stets an allem interessiert, sehr hilfsbereit und großzügig. Bei seinen gelegentlichen Berlin-Besuchen versäumte er es nie, der Geschäftsstelle einen Besuch abzustatten. Die Gemeinschaft innerhalb der Gesellschaft war für ihn auch ein Stück Lebenselixier, das für ihn gleichwertig war mit seiner Natur- und Wanderliebe, die ihn oft in die seinem Wohnort nahen Lausitzer Berge führte. Gern zeigte er auch Mitgliedern der Weber-Gesellschaft sehr kundig bei Ausflügen seine schöne Heimat (u. a. Maxen, Zittau, Pulsnitz und Bautzen) und Gegenden im grenznahen Tschechien, die Weber-Bezug haben (z. B. Bad Liebwerda = Lázne Libverda und Schloss Friedland = Frýdlant)

Ein letztes Mal war ihm ein Aufenthalt an seiner geliebten Ostsee in Ahrenshoop, das er jedes Jahr besuchte, im August 2017 vergönnt, ehe ihn die tödliche Krankheit überfiel. Sein Gruß von dort sagt viel darüber aus, was ihm die Weber-Gesellschaft bedeutete, er erhoffte sich Gutes für seine Gesundheit durch täglichen Strandspaziergang und Schwimmen: „denn ich will ja zum nächsten Weber-Treffen kommen“.

Danke Werner Krahl für Ihre Treue und Ihr Engagement in Sachen Weber.

Eveline Bartlitz